Zu fremd für hier, zu fremd für dort - Gastbeitrag - Katja von Glinowiecki
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Zu fremd für hier, zu fremd für dort – Gastbeitrag

„Zuhause“ ist ein Begriff, der im alltäglichen Leben oft genutzt wird.  Im Wörterbuch steht folgende Definition: „Heim, Wohnung, in der jemand zu Hause ist und sich wohlfühlt.“

Jeder Mensch hat jedoch seine eigene Vorstellung von seinem/ ihrem „Zuhause.“

Erst mal kurz zu mir – geboren wurde ich in einem kleinen Dorf in der Nähe von Würzburg. Danach ging es für mich erst mal nach Polen, dann nach Texas, Rumänien, Thailand und dann nach Portugal. Heute bin ich in Berlin „zuhause“.

Alle 3-4 Jahre hieß es für mich Sachen packen, Schule wechseln, Freunden auf Wiedersehen sagen und sich auf eine vollkommen neue Kultur und Sprache einlassen und einstellen.

Freundschaften und Beziehungen gehen auseinander und finden sich wieder neu.  Und dabei wird man immer wieder aufs Neue gefragt: woher kommst du eigentlich?

Was bedeutet das überhaupt? Ist Zuhause dort wo man geboren wurde? Wo die Familie wohnt? Wo man aufgewachsen ist? Wo man sich am wohlsten fühlt?

Ich weiß, um ehrlich zu sein, nicht mal ob ich die Frage selber konkret beantworten kann. Ich persönlich bin an einigen Orten „Zuhause“:

Zuhause bei den Eltern, egal wo sie derzeit wohnen mögen. Zuhause im Dorf bei Oma, wo ich geboren wurde.

Zuhause in Cascais, an der wunderschönen Küste Portugals. Zuhause in Berlin, der mir sehr liebgewonnenen Mutterstadt.

Zuhause in der Welt – dort wo man sich geborgen und wohl fühlt.

Wir Menschen haben, wie man so schön sagt, aus einem guten Grund keine Wurzeln, sondern Beine. Nämlich um die Welt zu erkunden und für uns zu entdecken. Wir sind nicht dafür gemacht an einem Ort zu bleiben – dafür sind die meisten von uns sowieso zu neugierig.

Nach dem Abitur versprach ich mir endlich Wurzeln zu schlagen, in einer Stadt anzukommen und zu bleiben. Und nun stehe ich wieder da, nach knapp 5 Jahren und will nichts sehnlicher als wieder raus.

Man muss sehr mutig sein, neu anzufangen, seinen Gefühlen, Ängsten und Träumen entgegen zu blicken. Trauern zu dürfen. Zweifel zu haben. Etwas zu wagen was kein anderer im Freundeskreis gewagt hat. Das macht uns menschlich. Es kostet viel Kraft und Geduld neu anzufangen. Es wird nicht immer einfach sein. Aber irgendwann sieht man zurück und kann stolz auf alles sein, was man geschafft hat.

Ich glaube fest daran, dass jeder Mensch, jeder Moment und jede Herausforderung uns zu genau dem Menschen macht, der wir werden müssen. Früher oder später weiß man, wo man hingehört, weiß, wohin man möchte, weiß, welche Werte einem wichtig sind. Und auf diesem spannenden Weg wird man unglaublich tolle Menschen kennenlernen. Davor muss man sich nicht fürchten. Darauf kann man sich freuen – es lohnt sich.

Man muss sich nur trauen und daran glauben, dass alles seinen Sinn hat.

Daniela Seitz