Online im Ausland - Katja von Glinowiecki
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Online im Ausland

Ich werde häufig gefragt, ob und wie ich mich während unserer Zeit im Ausland über Aktuelles informiert habe oder auch wie ich den Kontakt zu Freunden und Familie daheim aufrecht erhalten konnte.

Wenn ich dann zurück denke an meinen Australien-Aufenthalt vor 25 Jahren, muss ich unwillkürlich lächeln und an die sündhaft teuren R-Gespräche denken, die ich mit meinen Eltern in 14tägigem Rhythmus vereinbart hatte. Und von meiner Au-Pair-Zeit in Frankreich existieren noch 10-seitige handgeschriebene Briefe an meine beste Freundin, regelrecht antiquiert und sicherlich genau deshalb von ihr aufgehoben, gehegt und gepflegt. Beide Beispiele sind heute tatsächlich schon Relikte vergangener Zeiten.

Wer heute ins Ausland umzieht hat es deutlich komfortabler und ist wesentlich schneller in der Kommunikation und im Informationen sammeln. Das Internet und all die darum angesammelten Tools & Apps machen es möglich. Fluch und Segen zugleich, wie ein aktueller Artikel im The Guardian eindrucksvoll verdeutlicht.

Während in Indien mehr als 200 Millionen Menschen den WhatsApp Messenger benutzen und das Internet vorwiegend über mobile Endgeräte genutzt wird, verhilft dies auch einer großen Menge von Analphabeten an Informationen zu kommen und sich, z.B. über Emojis oder Sprach-Memos, zu verständigen. Kehrseite dieser schnellen und universalen Kommunikation ist aber leider auch die unkontrollierte Verbreitung von Falsch-Nachrichten. Mit gravierenden Auswirkungen auf das Offline-Leben der Inder.

Aus eigener Erfahrung kann ich die Darstellung der Guardian-Journalisten über das Online-Leben in China nur bestätigen. Ein Chinese ohne Mobiltelefon ist kaum mehr realistisch. Internetgiganten und ihre Plattformen (Wechat, Alipay, Taobao, JD.com, …) sind aus dem chinesischen Alltag nicht wegzudenken. Und das in einem Land, wo Zensur und gesperrte Zugänge zu Webseiten Gang und Gäbe sind. Als Ausländer nimmt man das weniger war, da (noch) funktionierende VPN-Verbindungen das Internet zwar langsam, aber die Recherche nicht unmöglich machen. Und doch ist das Online-Leben in China oft umso viel einfach, bequemer – solange man als aufgeschreckter Deutscher nicht über Datenschutz und Privatsphäre nachgrübelt.

www.theguardian.com