Mein Leben als Expat - Teil 2 - Gastbeitrag - Katja von Glinowiecki
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Mein Leben als Expat – Teil 2 – Gastbeitrag

Mein Leben als Expat – Teil 2 – Gastbeitrag

Eltern von Neugeborenen und allein zu Haus

Ich entschloss mich, meinen Sohn in Singapur zur Welt zu bringen, und einen Monat später zogen wir nach Kuala Lumpur, wo Jon lebte und arbeitete.

In unser Kultur ist es üblich, eine “Geburts-Tante” anzustellen, eine Hebamme, die sich auch noch nach der Geburt während der ersten Monate um das Wohl von Baby und Mama kümmert. Ich verlängerte ihre Anstellung um einen Monat, nachdem wir schon in Kuala Lumpur waren. Sie war wirklich eine große Hilfe, während ich mich an meine neuen Rolle als Hausfrau und Mutter gewöhnte, ohne die Hilfe meines sozialen Umfelds oder meiner Familie.

Als ihre Anstellung dem Ende zuging, brach ich buchstäblich in Tränen aus. Plötzlich war ich mit einem vier Wochen altem Baby allein, und das 18 Stunden am Tag, da Jon viel arbeitete. Ich hatte keine Freunde. Es war schlichtweg überwältigend am Anfang. Aber das Leben ging weiter und ich leitete die negative Energie und Anspannung einfach um und konzentrierte mich fortan darauf, eine neue Routine für mich und Hansel zu entwickeln.

Vollzeit-Mama

Das ist wahrscheinlich der große Vorteil der Erstgeborenen. Die Mütter investieren sehr viel Zeit und Energie, da für ein frischgebackenes Elternteil alles noch neu und aufregend ist! Ich sprach viel mit ihm, tanzte mit ihm und machte praktisch alles mit ihm im Wickelgurt: den Haushalt, ich ging einkaufen und nahm ich mit auf meine Entdeckungsspaziergänge. Selten war er dabei im Kinderwagen, aber das machte mir nichts. Er war ein Baby und ich überglücklich, ihn nah bei mir zu tragen. Doch ich vermisste normale Gespräche und Unterhaltungen, und Jon war erst spät nachts zuhause.

Glücklicherweise lag unsere Wohnung über einer Reihe von Geschäften, und ich freundete mich mit der Besitzerin des Fußpflegesalons an. Über sie lernte ich auch andere Leute mit Kindern in Hansels Alter kennen, die in der Nähe wohnten. Wir unternahmen viel zusammen: wir gingen schwimmen mit unseren Babys, verabredeten uns zum Spielen und unterstützten uns emotional. Gemeinsam fühlten wir uns sicher auf unseren Exkursionen, Mama-und-Baby Ausflüge ohne unsere Männer.

Es ist wichtig, ein soziales Netz und Austausch mit anderen zu haben. Du erfährst, wer die besten Ärzte sind, wo man am besten einkauft und vor allem lernst Du etwas noch wichtigeres: nicht verbittert und frustriert allein zu Hause mit einem Baby zu sitzen. Das letzte, was ich wollte, war es einsam zu sein und zu einer nörgelnden Ehefrau zu werden, mich an meinen Mann zu klammern und meinen Stolz zu verlieren. Was für ein Albtraum!

Die Freundschaften, die ich in Kuala Lumpur schloss, dauern bis heute an. Eine gute Freundin ist nach Deutschland umgezogen, eine nach Thailand, drei nach Singapur. Dennoch treffen wir uns immer mal wieder, Kinder im Schlepptau, oder bleiben über Facebook in Kontakt.

Daheim tat Jon, was er konnte. Immer, wenn er am Wochenende frei hatte, unternahmen wir viel und erkundeten Kuala Lumpur oder die Anrainerstaaten. Schließlich arbeitete er schon so viel auf der Arbeit, so dass er nie Arbeit mit nach Hause brachte. Auch nahm er uns auf alles seine Geschäftsreisen mit, und wir hatten immer eine schöne Zeit zusammen. Es gab auch stets willfährige Babysitter auf diesen Veranstaltungen. Wir konnten nach Herzenslust spielen mit dem Kleinen, schließlich gab es noch keinen Schulstress oder anderen Leistungsdruck.

3 wertvolle Tipps für junge Eltern im Ausland

Mein Rat an frischgebackene Eltern, die gerade ins Ausland gezogen sind

  1. eine sichere Umgebung für Mutter und Kind sind wichtig, so dass sie auch alleine auf Entdeckungsreise gehen können, vorzugsweise mit Geschäften, Kindergruppen mit Kindern im gleichen Alter und Gleichgesinnten;
  2. auf Spielplätzen oder im Schwimmbad lassen sich leicht Freundschaften schließen – man muss ja nicht gleich dicke Freunde mit jedem werden, aber ein paar Leute auf gleicher Wellenlänge lassen sich immer finden;
  3. genieße das neue Umfeld und das neue Land – das Essen, die Kultur, die Sprache und Sehenswürdigkeiten! Wenn man sich als Ausländer bemüht, die neue Sprache zu lernen, kann man schnell Pluspunkte sammeln (und sogar ein paar Rabatte verbuchen), insbesondere mit einem Baby im Schlepptau.

Im Ausland zu leben, ist wie ein extrem langer, bezahlter Urlaub – mach einfach das Beste daraus!

Foto von Andrey Grushnikov von Pexels