Hilfe, das Telefon klingelt! - Gastbeitrag - Katja von Glinowiecki
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Hilfe, das Telefon klingelt! – Gastbeitrag

So richtig wird einem die Bedeutung der Sprache ja erst klar, wenn man sich in einem Land aufhält, dessen Sprache man kein bisschen beherrscht. Das erlebt man mitunter auch schonmal im Urlaub, allerdings hat man da meist keine allzu komplizierten Dinge zu regeln.
Als ich mit meiner Familie nach Spanien gezogen bin, sprach keiner von uns Spanisch und wir dachten, wir werden schon klarkommen mit unserem Englisch. Ehrlicherweise sind wir das auch in vielen Situationen. In vielen anderen aber eben nicht.
Leider könnte man die Landessprache ja aber gerade, wenn man neu an einen Ort kommt, besonders gut gebrauchen. Aber die Dinge kommen nun mal wie sie kommen. Jedenfalls war anfangs unsere Erleichterung groß, als die Immobilienmaklerin, die uns unsere Wohnung vermittelt hat, plötzlich in perfektem Deutsch loslegte.
Aber ich kann mich noch sehr gut erinnern welche Panik jedes Mal in mir aufgestiegen ist, wenn plötzlich das Festnetztelefon geklingelt hat, denn dann war es meist ein Handwerker, jemand von der Versicherung oder ähnliches. Da war es, dieses Gefühl der totalen Hilflosigkeit. Ich wusste, selbst wenn ich in der Lage bin irgendwie zu verstehen, was derjenige wollte, antworten konnte ich ohnehin nicht. Und so endeten diese Telefonate meistens eher unbefriedigend und ich hatte keine Ahnung, ob es Handlungsbedarf gab oder nicht. Ich wusste einfach gar nichts.
Noch schlimmer war es, als nach vier Monaten in Barcelona unsere Internetverbindung zu Hause ausgefallen ist. Mein Mann arbeitet von zu Hause, wenn er nicht gerade auf Reisen ist – da Ist das Internet nicht ganz unwichtig. Einen ganzen Monat lang hat es gedauert bis es wieder funktionierte und in der Zwischenzeit unzählige Anrufe und Besuche von Technikern. Sie kamen und gingen. Woran es lag und was sie gemacht haben, ich weiß es bis heute nicht.
Fakt ist, dass man schon eine gewissen ‘Mut zur Lücke’ haben muss, wenn man sich nicht verständigen kann, weil es schlicht und einfach so viele Informationen gibt, die bei dieser Art der Kommunikation verloren gehen.
Man ist auch irgendwie ein anderer Mensch, wenn man andere nicht verstehen und sich selbst nicht richtig ausdrücken kann. Man kann nicht so spontan und lustig oder verständnisvoll und einfühlsam rüberkommen, wie man es vielleicht gerne möchte.
Man kann sich nicht so höflich beim Bäcker bedanken, wie man es in seiner eigenen Sprache tun würde.
Meine Tochter habe ich nach ihrem Schwimmtraining mal gefragt, ob die Schwimmtrainerin denn Katalanisch oder Spanisch mit ihr sprechen würde. Sie schaute mich nur an, zuckte die Schultern und sagte: „Irgendwas halt“. Ins Wasser ist sie jedenfalls immer als Letzte gesprungen, weil sie keine Ahnung hatte, was sie machen sollte und erstmal bei den anderen schauen musste.
Inzwischen sind fast vier Jahre vergangen, seit wir hier angekommen sind. Es war definitiv nicht immer einfach. Aber wir haben uns ins Zeug gelegt und sprechen die Sprache jetzt. Nicht perfekt, aber es ist schon toll auch mal einen Scherz oder ein Kompliment machen zu können oder jemandem zu sagen, dass es einem Leid tut. Und dafür lohnt sich doch die ganze Anstrengung.
Und heute fallen mir zurückblickend so viele Situationen ein, über die ich richtig lachen kann – auch wenn sie mich damals sehr gestresst haben.
Wenn bei euch ein Umzug in ein Land ansteht, dessen Sprache ihr nicht sprecht oder ihr schon dort seid, tut euer Möglichstes um sie zu lernen. Es lohnt sich wirklich! Aber erwartet keine Wunder, es dauert seine Zeit! Haltet einfach durch!